Fördergerüste im Ruhrgebiet | Schachtanlagen | Zeche | Bergwerk | Schachtanlage | Grube | Pütt | Fördergerüst | Schachtgerüst | Steinkohle | Ruhrpott | Zechen | Schacht | Ruhrrevier | Revier | Kohle | Förderturm | Aufbereitung | Grube | Bergbau

Die Schachtförderanlagen - Ein kurzer Rückblick:

Nachdem die durch den Pingen- und Stollenbergbau leicht zu erreichenden oberflächennahen Flöze im Ruhrtal abgebaut waren, wurde es notwendig auch die überlagernden Erdschichten zu durchteufen, um an die weiter nördlich gelegenen tieferen Karbonschichten zu gelangen.
Zu Anfang war dies noch relativ leicht durchführbar, da die seigeren oder tonnlägige Schächte nur eine geringe Teufe erreichen mussten, um an das begehrte Mineral zu gelangen. Problematisch wurde es erst, als die weiter nördlich gelegenen Mergelauflagerungen durchteuft werden mussten. Dieses hatte besonders mit der Beherrschung der zufließenden Tiefenwasser und der Schachtabsicherung zu tun - Darauf werde ich hier aber nicht eingehen können.
Der Übergang zum eigentlichen Tiefbau (Durchteufen der Mergelauflagerung) erfolgte erstmals 1832 durch den Schacht Franz der im Mülheimer Gebiet liegenden Zeche Humboldt.

Die nun immer weiter zunehmenden Belastungen durch Teufe, Fördermenge und Stärke der Fördermaschinen führte aber immer mehr zu strukturellen und statischen Problemen bei den bis dahin gebräuchlichen Holzgerüsten und Malakofftürmen. Die Holzgerüste erreichten zu diesem Zeitpunkt bereits Höhen von mehr als 20 Meter und geeignete Baumstämme waren nur noch sehr schwer zu beschaffen; zudem war auch die Statik und Standfestigkeit infolge der nun zwangsweise geteilten Bauweise (Anschlüsse) für einen sicheren Förderbetrieb kaum mehr ausreichend, des weiteren führte die hohe Brandgefahr und die verminderte Haltbarkeit der hölzernen Konstruktionen speziell bei ausziehenden Wetterschächten zu der Überlegung eiserne Fördergerüste aufzustellen.
Nach mehreren Schachtbränden auf den Zechen Graf Beust, Constantin der Große und Barillon (Julia) bei denen die hölzernen Fördergerüste sowie ein großer Teil der Tagesanlagen komplett zerstört wurden, entschloß man sich 1869 endgültig zum Bau des ersten eisernen Fördergerüstes (ein vierbeiniges Pyramiden- bzw. Bockgerüst über dem Schacht Barillon) auf der Zeche Julia in Herne.
Nur ein Jahr später wurde auf der Zeche Graf Beust in Essen bereits das erste stählerne Bockgerüst errichtet, welches als erstes eigentliches Strebengerüst und somit als Initialzündung der Fördergerüstentwicklung bis zu der uns heute bekannten Formgestaltung gesehen werden kann. Damit war die Zeit der stählernen Fördereinrichtungen angebrochen!

Pyramidengerüst Barillion
Zu Abbildung 1: Das 1869 von der Cölnischen Maschinenbau-Aktiengesellschaft erbaute -deutschlandweit- erste stählerne Gerüst des Schachtes Barillon hatte zwei Hängebänke und ruhte auf einem 5 Meter hohen Mauerfundament mit diesem es fest verbunden war. Eine sehr ähnliche Bauart wurde nachfolgend auch für das Gerüst des Schachtes Osterfeld I (Oberhausen III) gewählt. Auf Grund der auftretenden hohen Kräfte an den fördermaschinenseitigen Eckstützen war es allerdings notwendig diese besonders massiv auszuführen. Zusammen mit den aussteifenden Riegel und Diagonalstäben führte dies aber zu einem enorm hohen Materialaufwand und die Bauform verlor Kostenseitig recht schnell an Bedeutung. Ein erneuter Brand der Tagesanlagen auf Barillon im Jahr 1872 verdeutlichte aber die Überlegenheit der Stahlgerüste. Bei diesem wurden fast die kompetten Tagesanlagen in Mitleidenschaft gezogen, das Gerüst hatte zwar stark gelitten, blieb aber nach dem Ablöschen und dem Ersetzen der durchgebrannten Aloeförderseile betriebsbereit. Auf Shamrock I/II mußte bei einem ähnlichen Gerüst nachträglich sogar noch eine Stützstrebe installiert werden, da das Gerüst dem Zug der Fördermaschine nicht standhielt. Heute kann wegen einer Brauchbarkeit dieser Gerüstform für den Förderbetrieb leider nur gemutmaßt werden, aber anscheinend konnten diese ersten Versuche nicht vollständig überzeugen und hatten mit so manchen Kinderkrankheiten des frühen Stahlhochbaues zu kämpfen. Das Pyramidengerüst von Osterfeld I, sowie das gut dreißig Jahre später gebaute Bockgerüst von Rheinelbe III haben dahingehend aber über Jahrzehnte klaglos funktioniert?

Bockgerüst Graf Beust
Zu Abbildung 2: Das 1870 von der Essener Maschinenfabrik "Union" auf der Zeche Graf Beust errichtete Bockgerüst konnte schon damals als zukunftsweisend erachtet werden. Allerdings wurden zu dieser Zeit noch drei Zugstangen (rot) benötigt um das Traggerüst und die Streben fixieren; sowie die dort auftretenden Kräfte aufnehmen und ableiten zu können. Die Streben sind hier bereits fischbauchförmig ausgeführt, da schon damals eine möglichst hohe Knicksteifigkeit von Bauteilen bei möglichst geringer Dimensionierung gefordert wurde.
Wenn auch die von Geisler entworfene Konstruktion nach heutigen Maßstäben deutliche Fehler aufweist und sich wohl im damaligen Förderbetrieb nicht unbedingt bewährte (starke Schwingungen) und somit auch nicht mehr nachgebaut wurde, so ist diese doch als Quantensprung der Schachtfördertechnik zu sehen.


Aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Ausführungen werde ich hier nur auf die gängigsten bzw. auf die für mich besonders interessanten Fördergerüste eingehen. Ich versuche hiermit eine kleine Übersicht über die Entwicklung der Förderanlagen im Ruhrgebiet zu geben. Die verschiedenen Arten der Schachthäuser und Malakofftürme werden hier nur angeschnitten; das Augenmerk liegt auf den Fördergerüsten.
Eine vollständige Übersicht wird es wohl aber nie geben...

Übersicht der Gerüstarten:

Haspel, Göpel, Wasserkehrräder, Treträder und Schachthäuser:
 

Der Haspel ist die erste und einfachste Art ein Fördergut zu Tage zu heben. Dieser war zu den Anfängen ein Einrichtung die von der Brunnenförderung (Wasserziehbrunnen) übernommen wurde.
Das Tretrad wurde durch menschliche Arbeitskraft angetrieben und ist wie das Pferdegöpel eine Weiterentwicklung des Haspels. Das Prinzip des Tretrades wurde schon von den Römern zur vertikalen Förderung von Lasten genutzt. Allerdings wurde beim Göpel die Antriebskraft eines Zugtieres benötigt. Dies erhöhte die Fördergeschwindigkeit und Förderlast im Gegensatz zur vorherigen Handförderung enorm.
Das Wasserkehrrad nutzte die Gewichtskraft des Wassers und ist mit einer Wassermühle vergleichbar. Durch ein einfaches Klappensystem konnte hierbei der Wasserstrom gegenläufig auf das Wasserrad aufgegeben werden. Diese Umstellmöglichkeit war für die erforderliche Umkehr des Förderhubes notwenig. Allerdings war das Wasserkehrrad für das Ruhrgebiet ungeeignet, da dort keine geeigneten Wasserläufe vorhanden sind.
Das Schachthaus war eine Umbauung der bisherigen Fördereinrichtungen und diente sowohl dem Schutz der mechanischen Teile, als auch der Belegschaft vor der Witterung. Diese Umstände, sowie die Einführung der Fahrkunst, führten im folgenden Schritt zur Errichtung von Malakofftürmen.


Förderung in einem Stollenmundloch


Schachthaus


Notförderung mittels Haspel


Tonnlägiger Schacht

 

Der Handhaspel gilt als die erste mechanische Fördereinrichtung. Dieser konnte aber nur etwa 4 t/Schicht aus geringer Tiefe (-20 m) zutage heben.
     
  Der Pferdegöpel ist im eigentlichen Sinn noch kein Fördergerüst, aber der erste Schritt zu einer mechanischen Förderung.
     
     
Malakofftürme:
 

Der Malakoffturm gilt als Weiterentwicklung des Schachthauses. Diese wurde notwenig, da in Folge der Einführung der Dampfmaschine als Antriebsquelle die übertägig aufgestellten Wasserhaltungsmaschinen sowie die Fahrkunst unmittelbar in Schachtnähe montiert werden mussten. Auch mussten die Förderkörbe nun Mehretagig ausgeführt werden, um eine höhere Förderleistung pro Seilfahrt zu erreichen.
Um dies zu ermöglichen mussten die Seilscheiben oder die Fahrkunstgestänge weitaus höher - als es bei den bis dahin genutzten Gerüsten oder Häusern möglich war - angebracht werden. Zudem wurden später, bei zunehmender Teufe, die Fördermaschine weiter vom Schacht abgerückt, da die bis dahin verwendeten Trommel- (Bobinen) Fördermaschinen immer größere Dimensionen annahmen. Durch ein bis zu 2,5 Meter starkes Mauerwerk aus Ziegel-, Feld- oder Bruchstein wurde es ermöglicht, die durch die Förderung auftretenden enormen Kräfte aufnehmen und ableiten zu können. Trägerwerke aus Holz oder Stahl wurden aber nur für die Seilscheibenbühnen verwendet; der eigentliche Lastabgleich erfolgte damit ausschließlich über das Mauerwerk.
Die durch den rauhen Betrieb auftretenden Belastungen konnten aber oft nur durch Aussteifung des Mauerwerks erfolgten. Im oberen Teil wurden dazu Spanneisen mit aufgesetzten Blenden (Rosetten) verwendet, im unteren Teil wurde das Mauerwerk durch weitere gemauerte Pfeiler auf der Fördermaschinenseite (Zugbeanspruchung) verstärkt. Die Bauhöhen variierten je nach Entstehungsjahr stark von 10 bis über 35 Meter und falls erforderlich wurde später noch aufgemauert (siehe Ewald I) oder aber der Malakoffturm wurde durch ein eingezogenes Fördergerüst (Prosper 2/II) erweitert.
Zu den Anfängen wurden in den 1850er Jahren eher sehr schlichte Malakofftürme gebaut (Carolinenglück II), welche sich deutlich von den späteren reich verzierten und mit Fluchttreppenhäusern ausgestatteten (Westhausen I) unterschieden. Diese Entwicklung fußte auf den damals häufig vorkommenden Schachtbränden, bei denen das übertägige Personal (Förderaufseher, Schachthauer und Hängebankpersonal) durch das Feuer oder die giftigen Gase zu Tode kamen. Nur diesem tragischen Umstand ist der Bau von Malakofftürmen mit außenliegenden Fluchttreppenhäusern zu verdanken, da solche Personen zu diesen Zeiten ein sehr wertvolles "menschliches Gut" waren und nur schwerlich ersetzt werden konnten...
Um 1880 wurde die Bauart aber durch die kostengünstigen Strebengerüst abgelöst.
Heute sind noch dreizehn Malakofftürme im Ruhrgebiet erhalten.


Einzelanlage mit angebauten Maschinenhäusern


Doppelanlage mit Verziehrungen


Doppelanlage vor der Erweiterung


Doppelanlage nach der Erweiterung


Aufgemauerter Malakoff


Malakoff mit eingezogenen Strebengerüst


Malakoff mit eingezogenen Vollwandgerüst

     
     
     
Fachwerkbauweise:
   
Bockgerüste:
Zwei- und dreibeiniges Bockgerüst
 

Nach dem Land der größten damaligen Verbreitung auch englischer Bock genannt. Geografisch zuordnen läßt sich diese Gerüstart allerdings nicht eindeutig, da diese Bauart in allen Bergbaugebieten eingesetzt wurde.
Diese Bauart wurde in Holz (bis zu einer Höhe von ca. 20 m) später aber auch in Gußeisen und Stahl ausgeführt. Dieser Übergang zum neuen Baustoff erfolgte zuerst aber nicht aus Festigkeitsgründen, sondern aus rein praktischen. Es waren damals einfach keine Holzstämme der geforderten Längen mehr verfügbar. So wurde dann das teuere Gußeisen in der gleichen Weise wie vorher das Holz verbaut. Dieses war aber für den rauhen Förderbetrieb nicht ideal - da zu spröde - und wurde später durch den aufkommenden Werkstoff Stahl ersetzt. Aus der Not wurde dann in Folge aber eine Tugend; wie so oft im Bergbau...
Das einfache Bockgerüst gilt als erstes statisch berechenbares Gerüst und wurde in Stahlbauweise erstmal 1870 auf Graf Beust errichtet. Besonders vorteilhaft war bei dieser Bauart, daß dieses bereits bei den Teufarbeiten aufgestellt werden konnte ohne den Betrieb zu stören.
Die Bauart des Bockgerüstes wurde bereits 1868 durch den Ingenieur Carl Erdmann weiterentwickelt (Aussteifung des Kopf- und Stützgerüstes mittels Fachwerk) und an die Gegebenheiten des Ruhrbergbaus angepasst und fand besonders im östlichen Ruhrgebiet von 1870 bis 1900 eine große Verbreitung. Diese Gerüstart wurde besonders durch den Bergwerksdirektor Tomson gefördert und verbreitete sich daher besonders auf den Schachtanlagen der Harpener BAG (für die Tomson tätig war) recht schnell. Daher erhielt diese spezielle Bauform auch den Namen Tomson-Bock.


Einfache Bockgerüste aus Holz


Hölzerne Bockgerüste


Tomsonbock

 

  Eingeschossig:
     
 
  einfaches Bockgerüst Hibernia I
     
 
  Gneisenau II  
     
 
     
     
 
    Spurlattenführung
     
 
  Seilführung Bauart Tomson Bock
Robert Müser - Jacob
     
  Zweigeschossig:
     
 
  Neu-Iserlohn II
Übergangsform von Vier-auf zweibeinig
Roland II
     
     
     
Pyramidengerüste:
Vierbeiniges Bockgerüst
 
Das Pyramidengerüst ist eine eigenständige Entwicklung, da die vertikale Standsicherheit bei den Bockgerüsten oft nicht ausreichend war. Hierbei wurden die Stützen (bzw. Streben) weiter vom Schacht entfernt um eine ausreichende Standfestigkeit zu erhalten. In späterer Ausführung wurde es um die Streben erweitert um die anfallende Knicklast der Stützen, welche der Fördermaschinen zugewandt sind, zu verteilen. Teilweise wurde dies auch unter dem kompletten Wegfall (bzw. der Verlagerung) dieser erreicht. Diese Art von Gerüsten wurde aber im Ruhrgebiet nur kurzzeitig gebaut (etwa bis 1890), da diese bezüglich des hohen Materialaufwands und der Stabilität noch ungenügend waren. Spätere in Frankreich erbaute Pyramiedengerüste genügten der Standfestigkeit, dieser Umstand mussten aber durch einen enormen konstruktiven Aufwand erkauft werden.
  Eingeschossig:
     
 
  Barillon (Julia)  
     
 
     
     
 
  Ver. Gideon - tonnlägiger Schacht Hannibal I "eingerüsteter Malakoff"
     
   
 

Rheinelbe III - Vierbeiniges Bockgerüst mit 90° Doppelförderung

 
     
     
Strebengerüste:
 
Das Strebengerüst ist wiederum eine Weiterentwicklung des Pyramiden- sowie des Bockgerüstes und vereinigt die Vorteile beider in sich. Ab 1870 wurde eine Sonderbauform dieser als deutsches Strebengerüst bekannt. Es zeichnet sich durch eine schmale Stützenform (bezogen auf den Schachtdurchmesser) und durch weit stehende Streben aus. Da diese Gerüste zu Anfang vorwiegend für eine Trommelförderung vorgesehen waren, war die Ausführung besonders bem Betrieb vorteilhaft, da somit die Stützlast auf die Streben verteilt wurden und so die horizontal wirkenden Kräfte abgeleitet wurden. Weiterhin konnte durch diese Anordnung der Bereich des Schachtes von störenden Einbauten freigehalten werden, welches besonders Vorteilhaft für die notwendigen Zu- bzw. Abführungseinrichtungen war und den Schachtbetrieb deutlich vereinfachte.
  Eingeschossig:
     
 
  abgespannten Stützen und Streben - Bauart Geisler Bauart Promnitz 2
Carolinenglück III
     
 
  Bauart Promnitz 1
Teutoburgia II
Werne II
     
 
  Bauart Promnitz 3
Friedrich Thyssen VI
Beeckerwerth II
     
 
  Beeckerwerth I Bauart Zschetsche
     
 
  Bauart Saar Bauart Klönne
     
 
  Möller II Bauart Humboldt
     
   
  Bauart Gehlen
     
     
     
  Zweigeschossig:
     
 
  Elisabethenglück Herkules I
     
 
  Zollverein II Amalie Schacht Barbara
     
 
  Dannenbaum I Ewald IV
     
 
  Rosenblumendelle II Sälzer-Amalie Schacht Marie
     
   
  Rheinpreussen II  
     
 
 
     
     
Doppelstrebengerüste:
  Eingeschossig:
     
 
  Alma III Deutscher Kaiser I
     
 
  Amalie 2 Hugo 1 - II
     
  Zweigeschossig:
     
 
  Consolidation VIII Zollverein IV
     
 
  Hannover III (Dreibein) Borth II
     
     
Profilbauweise:
     
Vollwandgerüste:
  Einstrebengerüste
 

Das erste vollwandige deutsche Fördergerüst wurde 1925 über dem Schacht 1 (Baden) des Kalisalzbergwerks Buggingen in Baden errichtet. Diese Bauform ist deutlich einfacher ausgeführt und bietet dieselben Vorteile eines Fachwerkstrebengerüstes bei allerdings besserer Knicksteifigkeit und einem nur geringen (~5%) Materialmehraufwand. Die aufwendige Nietkonstruktion der Fachwerkbauweise und die damit einhergehenden Probleme der Steifigkeit und der Korrosionsanfälligkeit entfielen hierbei. Weiterhin konnte durch den Einsatz von Vollwandprofilen die Erstellungszeit sowie die nachfolgende Wartung deutlich minimiert werden. Die schwarz dargestellten Bereiche der Streben sind mit vollwandigen Profilen ausgeführt.


Eingeschossiges Vollwandgerüst


Zweigeschossiges Vollwandgerüst

 

  Eingeschossig:
     
 
  Dörnen
Robert Müser
Dörnen 2
Zollverein I
     
 
  Schwerin I mit geknickter Strebe auf Malakoffturm Friedrich Thyssen II
     
     
  Zweigeschossig:
     
 
  Dörnen 2 - Friedrich d.G. I Bonifacius II
     
   
  Friedrich-Heinrich III  
     
     
  Doppelstrebengerüste "ugs.: Doppelbock"
 
Um einen Schacht optimal auszunutzen, wurden zweiseitige Förderanlagen entwickelt, welche unabhängig voneinander operieren können. Hierbei wurden die Strebenpaare des Einstrebengerüstes dupliziert und als Stützgerüst genutzt. Erste Versuche das Führungsgerüst als zentrale dritte Stütze zu nutzen schlugen jedoch wegen der zu großen Steifigkeit bei Absekungen fehl. Das Führungsgerüst wurde somit nicht mehr als Stützkonstruktion benötigt und konnte daher vom eigentlichen Fördergerüst entkoppelt werden. Dies hatte besonders im Ruhrgebiet seine Vorteile, da es dort oft infolge von schachtnahen Bergsenkungen zu einer Schiefstellungen der Fördereinrichtung kam. Um eine Doppelförderung zuzulassen, musste der Schachtdurchmesser aber erweitert werden.
     
 
  Zollverein XII Centrum VII
     
 
  Gneisenau IV Lohberg II
     
     
Kastenprofile:
  Einstrebenkastenprofil
 
Die schwarz dargestellten Profile sind als geschweißte Kastenprofile (hohl) ausgeformt. Hierbei wurde der Materialaufwand gegenüber dem Vollstrebengerüst bei gleicher oder meist besserer Stabilität noch weiter reduziert. Auch sind hier die zu erwartenden Korrosionsschädigungen durch den konstruktiven Entfall von Nässestaupunkten an den Stützenstößen oder Versteifungsblechen - wie sie vorher bei den Vollwandgerüsten notwendig waren - auf ein Mindestmaß reduziert worden.
  Eingeschossig:
     
 
  Re 2 - Schacht IV - Konrad Ende Arenberg-Fortsetzung
mit abgespannter Stütze
(Dreibein)
     
     
  Zweigeschossig:
     
 
  Waltrop III Niederberg IV
     
 
  Grimberg IV Haus Aden VII - Schacht Romberg "Golfschläger"
     
 
  Ewald II Kurl III
     
 
  Rossenray II Osterfeld Nordschacht
     
 
  Hugo II mit abgespannter Stütze
(Dreibein)
Wulfen II
     
     
  Viergeschossig:
     
   
  Grimberg II mit abgespannter Stütze  
     
  Doppelstrebenkastenprofil
     
   
  Auguste Victoria VIII  
     
 
 
     
     
Betonbauweise (Sonderbauweise):
 
Fördergerüste aus Beton (Stahlbeton) konnten sich im Ruhrgebiet kaum durchsetzten, obwohl diese Bauweise preiswerter und zudem deutlich wartungsärmer als die vergleichbarer Stahlgerüste war. Eine große Verbreitung fanden diese z.B. in Belgien, Frankreich, Polen, Südafrika und Nordamerika. Dies hatte wohl einerseits mit dem Stahlstandort Deutschland zu tun, da es einfacher war Fördergerüste aus Stahl "von der Stange" zu kaufen, andererseits war speziell im Ruhrgebiet die Anfälligkeit auf Schiefstellung und die werkstoffbedingte höhere Erstellungszeit (Bau + Aushärtung) von Nachteil. Daher wurde bei der Betonbauweise für Förderanlagen später eher zu den Turmförderanlagen tendiert, da diese bei anhaltender Förderung und solider Gründung unmittelbar um das alte Gerüst gebaut werden konnten. Ein Betongerüst in leichter Strebenbauart (Dreipunktlagerung) wurde im Ruhrgebiet bzw. Niederrhein nur einmalig ausgeführt und nachfolgend wohl aufgrund der hohen Gründungsproblematik oder aber der fehlenden Erweiterbarkeit nicht mehr nachgeahmt!
 
  Consolidation IV Polsum II - Wetterschacht
     
 
     
     
Turmgerüste / Turmförderanlagen:
 
Diese Sonderbauform ist unabhängig von der Profilausformung. Die Stützenprofile sind aber zumeist als Doppel T-Träger (H bzw. I-HD Breitflanschprofile) in Rahmenbauweise (Fachwerke wurden wegen der hohen Kosten zumeist vermieden) ausgeführt.
  Turmgerüste
 
Bei Turmgerüsten steht die Fördermaschine in unmittelbarer Nähe zum Schacht auf dem Niveau der Hängebank. Diese Art ist als Fördergerüst anzusehen. Das Stützgerüst ist aus Profilen in Fachwerk- oder Rahmenbauweise erbaut. Die sonst notwendigen Streben entfallen hierbei aber aufgrund der nahen Lage der Fördermaschine zum Gerüst und der damit geringen Strebenlast (horizontale Momente) hierbei komplett. Zur Verdeutlichung sind die Seile sowie die Treibscheibe bei den folgenden Bildern dargestellt.
     
 
  Minister Stein II Gen. Blumenthal VII
     
   
  Wallsum I/II - Doppelförderung  
     
     
  Turmförderanlagen
 

Hierbei ist die Fördermaschine im oberen Kopfteil installiert und diese wird auch einfach Förderturm genannt. Überwiegend wurden diese in streng kubischer Bauform gehalten, wobei aber die sogenannten Hammerkopftürme durch einen auskragenden Kopfteil eine Ausnahme bildeten. Diese spezielle Bauform wurde aber ab etwa 1930 wegen der stetig geringer werdenden Dimensionierung der Turmfördermaschinen nicht mehr ausgeführt. Vorteil bei allen Turmförderanlagen ist der geringe Platzbedarf sowie der verhältnissmäßig günstige Baustoff. Nachteilig wirkte sich aber die erhöhten Baukosten und die besondere Anfälligkeit auf Schiefstellung aus, welche durch das hohe Eigengewicht noch begünstigt wurde.
Erste Versuche im Jahre 1888 durch Carl Friedrich Koepe eine dampfbetriebene Turmfördereinrichtung auf Hannover II zu installieren verliefen unbefriedigend, da die damaligen Dampfmaschinen noch mit zu hohen Masseunruhen beim Betrieb zu kämpfen hatten. Desweiteren war die Steuerung noch nicht ausgereift und besonders das "Anfahren" war eher ruppig. Dadurch wurden Schwingungen und Stöße auf den Turm übertragen, welche dauerhaft zu Schädigungen führten.
Erst mit der Einführung elektrisch betriebener Fördermaschinen konnte die Turmförderung ihre Vorteile gänzlich beweisen.
Aufgrund der hohen Gründungsproblematik und der hohen Kosten wurde ab etwa 1970 weitestgehend auf die Erstellung von Turmförderanlagen aus Stahlbeton verzichtet und erneut auf die deutlich leichtere Skelettbauweise übergegangen, welche bereits schon seit über fünfzig Jahren bekannt war. Dies führte besonders nach der Bildung der Ruhrkohle AG zu dem Bestreben eine Standart-Turmförderanlage (z.B. Hugo VIII) zu entwickeln um eine kostengünstige und leistungsfähige Förderanlage quasie von der Stange bauen zu können.


Erstellung eines Stahlbetonturmes über dem Abteufgerüst

Die Turmförderanlage gibt es in folgenden Bauarten:

- Skelettbauweise (Traggerüst aus vernieteten Stahlprofilen mit   kompletter Ziegelsteinausmauerung, Betonstegverzug oder einer   Verblendung aus Trapezprofilblech)
- Stahlbetonbauweise (Traggerüst und Kopfteil aus Stahlbeton)
- Rahmenbauweise (Traggerüst aus geschraubten oder verschweißten   Stahlprofilen; wobei nur der obere Teil durch Ziegel- oder  Betonfertigteilwerk verzogen, der untere Gerüstteil   aber frei  bleibt  oder nur verblendet ist)
     
 
  Skelettbauweise:
Hercules V
Skelettbauweise:
Katharina III - Ernst Tengelmann
     
 
  Stahlbetonbauweise:
Pörtingssiepen II
Rahmenbauweise: Hammerkopfturm
Minister Stein IV
     
     

Hier nun eine Einordnung der gängigsten Formen der in Deutschland, speziell aber der im Ruhrgebiet, errichteten Fördergerüste.

Beschreibungshilfe:

I. Etagenausführung
    eingeschossig
    zweigeschossig
    mehrgeschossig (>3)
     
II. Strebenausführung
    Zweistrebiges
    Dreistrebiges
     
III.a Strebenauslegung
    Einstreben
    Doppelstreben
     
III.b Bauformen
    Bockgerüst
    Pyramidengerüst
    Strebengerüst
    Turmgerüst
    Vollwandgerüst
    Kastenprofilgerüst
     
IV. Bauweise
    Fachwerkbauweise
    Profilbauweise
    Stahlbetonbauweise
     
V. Bauart
    Tomson
    Geisler
    Promnitz
    Saar
    Zschetsche
    Klönne
    Gehlen
    Humboldt
    Dörnen
    sonstige

Zusammengefügt entstünde daraus eine etwas komplizierte Beschreibung, aber diese wäre zumindest sehr genau!

Zum Beispiel:
Eingeschossiges zweistrebiges Einstrebengerüst in Fachwerkbauweise in der Bauart Promnitz.

Darüber hinaus kann noch nach die Fördermaschinenart ( Koepe -, Bobinen- oder Trommelförderung); da hier die Auslegung der Seilscheibenbühne je nach Ausführung abweichen kann; sowie gerade in der Pionierphase des Ruhr-Bergbaus auch nach den Baumaterialien (Holz, Eisen [Stahl] später auch Beton) unterschieden werden. Auch wird die Seil- und Spurlattenführung, sowie die Förderart (Gestell- oder Skipförderung) mit ihren unterschiedlichen Bauarten verschieden ausgeführt. All diese Punkte können hier nur teilweise oder gar nicht berücksichtigt werden.

Des Weiteren gibt es noch zahllose Varianten und Einzellösungen, deren Ausführung ich hier aber allen Beteiligten ersparen möchte. Diese würden den Umfang und sicherlich auch das Interesse der Besucher eindeutig sprengen ... Wenn dies nicht schon längst geschehen ist?

Besondere Konstruktionsfeinheiten der Bauweisen sind daher nur für den Fachmann von Interesse, der sich detailliert mit den einzelnen Bauausführungen auseinandersetzt. Und demzufolge hier überflüssig!

Die Riegel, Verbände, Fachwerke, Verstrebungen etc. der Bauformen werden in den Zeichnungen nur grob oder gar nicht dargestellt. Malakowtürme und Turmförderanlagen mit Turmförderung sowie Stahlbetonfördertürme werden hier nur kurz angeschnitten, da diese streng genommen eine Sonderform eines Fördergerüstes darstellen.

Eigentlich beschreibt der Begriff "Fördergerüst" ja eine Seilstützkonstruktion aus Holz oder Stahl mit dazugehöriger Flurfördermaschine.

Information zu den Darstellungen: Die Seilscheiben der Abbildungen werden immer ohne Seilauflage dargestellt. Die Förderseile, unter Ausnahme der Turmförder- und Doppelstrebengerüste sowie des Göpels, werden immer von "Rechts" aufgelegt. Eine Unterscheidung zwischen Trommel- oder Koepeförderung wird hier nicht getroffen. Auch wird der geläufige Begriff "Vollstrebengerüst" hier nicht gebraucht, da dieser ein Fördergerüst nur unzulänglich zu beschreiben vermag.

Hier noch ein paar besondere Gerüstausführungen aus dem Ausland:

   
  Tandemgerüst aus England. Hierbei wird das Förderseil der linken Förderung um das als Wetterschacht ausgebildete rechte Gerüst herumgeführt.  
   
  Ein weiteres Tandem aus England. Beide Gerüste sind aus Stahlbeton. Auf dem rechten Gerüst ist eine Umlenkscheibe für die linke Förderung angebracht.  
   
  Bockgerüst aus Amerika. Dies wurde um ein zweites Führungsgerüst sowie ein Pyramidengerüst ergänzt.  
   
  Bockgerüst aus England mit einer Mischung aus Profil- und Fachwerk  
   
  Bockgerüst aus England in Betonbauweise  
   
  Strebengerüst aus Frankreich in Betonbauweise. Dies ist wohl eines der schönsten erhaltenen Gerüste seiner Art weltweit  
   
  Strebengerüst aus Frankreich in Betonbauweise  
   
  Bockgerüst aus Frankreich in Profilbauweise  
   
  Strebengerüst aus Frankreich in Betonbauweise mit geknickter Strebe  
   
  Variante einer Doppelförderung mit separaten Gerüsten in Polen. Vollwandbauweise und Fachwerkbauweise beide jeweils zweigeschossig  

Einige Fragen die mal gestellt wurden:

Frage : Warum haben die älteren Fördergerüste so hohe Aufbauten und Dächer, welche die Seilscheibenbühne oft weit überragen?

Antwort: Bevor es moderne Hochkräne gab, wurden die Seilscheiben mithilfe eines fest installierten Hebezeuges, welches eine feste Auflage (siehe Animation) benötigte, gewechselt. Deshalb werden diese Aufbauten auch Krangerüste (Kranbühnen) genannt. Die Dächer wurden erst mit dem Aufkommen der Hochkräne demontiert, um einen problemlosen Seilscheibenwechsel zu ermöglichen. Diese Dächer waren zum Schutz des damals noch witterungsunbeständigen Materials gedacht. Es gibt verschiedene Ausformungen dieser Krangerüste, diese wurden je nach der Bauart und dem auf dem Betriebsgelände für den Seilscheibenwechsel zu Verfügung stehendem Platz (sowohl nach vorne, hinten oder zur Seite) geplant und ausgelegt. Der Begriff "Seilscheibe" rührt übrigens aus den Anfängen des Bergbaus her, da zuerst Räder oder Scheiben aus Vollholz zur Aufwicklung, Führung und/oder Umleitung des Förderseils verwendet wurden. Der Begriff "Förderrad" ist eigentlich auch möglich, dieser wird aber im Sprachgebrauch fast nicht genutzt.


schematischer Seilscheibenwechsel

Frage: Warum gibt es verschiedene Durchmesser bei den Seilscheiben?

Antwort: Mit der Zunahme der Förderteufe, sowie der stetig wachsenden Fördermenge und der damit steigenden Belastung wurde es notwendig einen dickeren Seildurchmesser zu wählen. Dadurch mussten aber auch die Seilscheiben angepasst und vergrößert werden, da der Radius einer Seilscheibe einen immensen Einfluss auf die Lebensdauer des Seils hat. Wird eine zu klein dimensionierte Seilscheibe verwandt; wird der Biegeradius des Seils verkleinert und somit werden die Außenlitzen stärker beansprucht (gedehnt oder gestaucht) und die Lebensdauer nimmt dadurch rapide ab. Grob kann man sagen; so lange die Teufe und/oder die Förderlast gering sind; auch der Seildurchmesser und somit der Seilscheibendurchmesser gering gewählt werden kann. Im Mittel liegt der Seilscheibendurchmesser bei einer Einseilförderungen bei 6 bis 7 m und der Seildurchmesser bei 80 mm. Wird die Grenzteufen von ~1500 m oder die Nutzlast von 30 t überschritten, geht man aus Kostengründen zur Mehrseilförderung (bis zu Zwölfseilförderung) über. Die Vergrößerung des Seildurchmessers und die Dimensionierung der Seilscheiben bei einer Einseilförderung sind zwar theoretisch bis zu einem gewissen Grad möglich, diese würden aber zu drastisch erhöhten Kosten führen (erhöhte konstruktive Dimensionierung, niedrige Rotationsgeschwindigkeit, erhöhtes Drehmoment beim Beschleunigen bzw. Abbremsen, hohe Anlagekosten für Auslegung, Wartung und Betrieb der Fördermaschine sowie erhöhte Windlast uvm.).

Frage: Was ist ein Förderturm?

Antwort: Der Begriff Förderturm hat sich über die Zeit für alle Arten von Förderanlagen eingebürgert und ist damit zum sprachlichen Allgemeingut geworden. Leider ist dieser aber eine Wortschöpfung welche, zwar nicht falsch, so aber doch leider etwas ungenau ist.
Eigentlich trifft hierbei eher der Begriff Turmförderanlage zu, aber Förderturm ist viel einfacher und passt irgendwie ja auch immer. Egal, ob es sich eigentlich um ein Fördergerüst, Turmgerüst und Turmförderanlage handelt. Witziger Weise ist nämlich per Definition nicht die Bauart der Förderanlage entscheident, sondern es wird nach der Lage der Fördermaschine unterschieden.
Dies heißt: Liegt die Fördermaschine auf Rasenhängebank oder Hängebankniveau (Flurfördermaschine) so ist es ein Fördergerüst. Ist die Fördermaschine als Turmfördermaschine ausgeführt (im Kopf der Förderanlage) ist es ein Förderturm. Wenn es aber zu einer konstruktiven Änderung der Standortwahl der Fördermaschine kommt - siehe Hasard Cheratte N°III - wird aus einem Förderturm ganz schnell ein Fördergerüst!

Hier aber die Unterschiede etwas genauer:

Ein Fördergerüst hat ein Stützengerüst, sowie mindestens eine Zwei- oder dreigeteilte Abspannstrebe, wobei die Fördermaschine etwas weiter vom Schacht auf Bodenniveau (evtl. Hängebankniveau) platziert ist. Hierzu zählt per Definition auch der Malakoffturm!



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Ein Turmgerüst hat ein Stützengerüst ohne Abspannungen (Streben) bei dem die Fördermaschine relativ nah am Schacht platziert ist. Dies ist allerdings auch ein Fördergerüst, da auch hier die Fördermaschine auf Bodenniveau steht!

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Die Turmförderanlage besteht aus einem Stützgerüst (Beton oder Stahl) ohne Abspannung, wobei die Fördermaschine im Kopf der Anlage untergebracht ist. Dies ist ein Förderturm

Etwas verwirrend, aber Hauptsache man weiß in Etwa was gemeint ist!

Frage: Was ist eigentlich mit Malakowturm (Malakoffturm) gemeint?

Antwort: Eigentlich sind zwei Schreibweisen geläufig (Malakoffturm oder Malakowturm). Diese rühren aus dem Krim-Krieg 1855 her, bei dem die Festung Malakoff bei Sewastopol (Sebastopol, Sevastopol) durch das französisch-britische Expeditionskorps belagert wurde. Diese Festung wurde am 08.09.1855 durch das Korps eingenommen.

Die Festungswerke von Sewastopol wurden in starker Ziegelbauweise ausgeführt, die aber gegen die damals "moderne" Kriegsführung auf Dauer nicht bestehen konnte.

malakoff 1855
"La tour Malakoff", November 1855 von Jean-Charles Langlois
© RMN/B. Hatala
Quelle: link

Durch den Krimkrieg (1853-56), über den zum Zeitpunkt des Baues dieser Türme stetig in der Presse berichtet wurde, bürgerte sich in Deutschland der Begriff Malakoffturm (Malakowturm) schnell in den Sprachgebrauch ein. Eigentlich hat die imposante Bauweise der Türme kaum etwas mit dem der Festung gemein (vgl. Bild), aber dafür ist dieser sehr einprägsam und wird noch 150 Jahre später verwandt. Malakofftürme wurden oft in Ziegelbauweise ausgeführt, aber besonders im südlichen Ruhrgebiet fanden sich auch einige die aus Feld- oder Bruchsteinen erbaut wurden, da dieses Baumaterial dort recht einfach in den umliegenden Steinbrüchen oder sogar vom Grundstück zu bekommen war. Die Einführung dieser speziellen Bauweise kennzeichnet den Übergang zum heutigen Tiefbau. Aufgrund fehlender Kenntnisse über die statisch und dynamisch wirkenden Kräfte wurde die herkömmliche, schon lange aus dem Festungs- und dem Häuserbau bekannte Bauart gewählt, da deren Verhalten auf Zug- und Entlastungskräfte sich zumindest bis dahin bewährt hatte. Mit dem Aufkommen der günstigeren und effektiveren eisernen Fördergerüste sowie der stetig steigenden erforderlichen freien Hängebankhöhe wurde diese Bauart ab 1880 nicht mehr ausgeführt.

Malakoffturm
Die drei Phasen der Entwicklung
1.) Niedriger Turm mit angebauter Wasserhaltungs- und Trommelfördermaschine
2.) Erhöhter Turm mit Pfeilerverstärkung und abgesetzter Trommelfördermaschine
3.) Eingezogenes Fördergerüst mit Koepe-Fördermaschine

Liste der erhaltenen Malakowtürme im Ruhrgebiet
  Schachtanlage Abteufung
1. Zeche Rheinpreußen I 1857-1879
2. Zeche Carl I 1856
3. Zeche Ewald I 1872-1875
4. Zeche Prosper II 1872-1875
5. Zeche Holland I Doppelschachtanlage 1856-1860
6. Zeche Holland II
7. Zeche Prinz Regent (Julius-Philipp I) 1875-1878
8. Zeche Hannover I 1857
9. Zeche Unser Fritz I 1871
10. Zeche Brockhauser Tiefbau 1874
11. Zeche Westhausen 1872-1873
12. Zeche Fürst Hardenberg 1874
13. Zeche Vereinigte Carolinenglück II 1847-1856
* Zeche Alte Haase 1897

Ob die als * aufgelistete Fördereinrichtung ein Malakowturm, oder nur eine gemauerte Gerüstverkleidung ist, überlasse ich den vielen Experten! Ich persönlich tendiere eher zum Nicht-Malakow. Ein Besuch lohnt sich aber dennoch bei allen!

Frage: Wo liegt der Unterschied zwischen Gestell- und Skipförderung?

Antwort: Bei der Gestellförderung werden einzelne Förderwagen auf die Tragböden des Förderkorbes aufgeschoben und zutage gehoben, entladen und wieder nach Untertage geschickt.
Die Skipförderung hat nur ein Gefäß anstatt des Förderkorbes, dieses wird automatisch befüllt und entlädt sich über Tage selbstständig. Die Vorteile der Skipförderung sind: Geringe Todlast (somit höhere Befüllung möglich), vollautomatisches Pendeln möglich. Die Vorteile der Gestellförderung: Keine unnötige Zerkleinerung der Kohle durch Beladung (wichtig bei Nusskohlen), Korb kann auch zur Seilfahrt bzw. Materialförderung genutzt werden.

Des Weiteren gibt es noch folgende andere Förderarten: Mittels eines Förderberges (Gurtband in zutaggehender tonnlägiger Strecke) oder hydromechanische Förderung (Suspensionsförderung in einer Rohrleitung). Hierbei wird das Fördergut hydraulisch gewonnen und mittels Wasser in einer Druckleitung nach übertage gepumpt.


Gegenüberstellung: Gestellförderung und Skipförderung


Skipförderung

Frage: Warum werden die Fördergerüste und Fördertürme immer höher?

Antwort: Die Bauhöhe ist abhängig vom eigentlichen Verwendungszweck. Gerüste oder Türme, die der ausschließlichen Kohleförderung dienen, sind zum Teil siebzig oder mehr Meter hoch. Dies liegt an der Förderart, die natürlich pro Fahrt möglichst viel Fördergut transportieren soll. Daher werden bei Gestellförderung (Förderwagen) zurzeit mehretagige Förderkörbe und zur Gefäßförderung ca. 20 m hohe Skipgefäße eingesetzt. Um ein Skipgefäß zu entleeren, muss man es natürlich ganz zutage ziehen, bei Förderwagen genügt eigentlich das Rasenhängebankniveau. Dies ist aber aus betrieblichen Gründen oft nicht sinnvoll, sodass Hängebankhöhen von bis zu 20 m möglich sind. Weiterhin muss der Sicherheitsabstand zu den Prellträgern mindestens 10 m betragen. Daraus resultiert die stetig wachsende Bauhöhe. Kurz gesagt: Je mehr Förderung umso höher ist das Fördergerüst! Gerüste, die als Befahrungseinrichtung für die Wetterführung genutzt werden oder nur dem Materialtransport oder der Seilfahrt dienen, sind in der Regel deutlich kleiner, da diese nicht die große Anzahl an Etagen (Förderkorbhöhe) benötigen und sich die Hängebank zumeist auf Rasenhängebankniveau befindet.

Gerüsthöhe
Gefäßförderung (Skip) und Gestellförderung

Frage: Warum werden die Fördergerüste und Fördertürme nach der Stilllegung einer Schachtanlage abgebrochen?

Antwort: Ist eine Förderanlage nicht als erhaltenswert (techn. Denkmal) eingestuft worden, so wird es zumeist abgebrochen. Eine Instandhaltung der funktionslos gewordenen Anlagen ist viel zu teuer. Die Gerüste oder Türme müssen ja weiterhin gewartet und betreut werden, um eine Gefährdung für die Allgemeinheit auszuschließen. So muss z.B. der Zugang für Unbefugte vermieden werden, auch steht bei älteren Gerüsten alle zwanzig Jahre ein neuer Anstrich an, um die Korrosion einzudämmen. Ganz vermeiden kann man diese dadurch aber auch nicht und über kurz oder lang sind teure Reparaturen fällig. Allein ein Einrüsten eines nur 35 Meter hohen Gerüstes verschlingt Unsummen. Von den notwendigen Sandstrahlarbeiten, dem Rostschutz sowie dem notwendigen Anstrich mal ganz abgesehen ...
Wer aber ein paar Groschen über hat, kann sich ein Gerüst, welches zum Abbruch ansteht kaufen. Soweit mir bekannt, ist ein solches zum Schrottpreis zu erstehen. Leider kommen da aber mal schnell Hunderte Tonnen zusammen und das bei etwa 100.-€/Tonne (Schwer-/Trägerschrott), sowie der ein oder anderen gesetzlichen Auflage ,welche natürlich auch eingehalten werden muss. Die Zerlegung, der Transport und das Wiederaufstellen mit Herstellung der Streben- und Gerüstfundamente sind darüber hinaus leider auch sehr kostenintensiv.
Zuletzt hat es die SIEMAG-TECBERG in 2010 vorgemacht und das 35m hohe Fördergerüst vom Standort Polsum zum Firmensitz verlagert und dort - unmittelbar an der A45 - als Blickfang wieder errichtet.

 

Frage: Welche Baumaterialien wurden und werden für Fördergerüste verwendet? Und warum dies?

Antwort: Zu Beginn des Tiefbaus wurden zumeist hölzerne Gerüste erbaut. Als diese der Fördermenge und mit der Zunahme der Teufe den statischen und dynamischen Beanspruchungen nicht mehr genügten, begann man sogenannte Malakowtürme aus Sandstein, Feldsteinen oder Ziegeln zu errichten. Diese, dem normalen Hausbau (Schachthaus) entlehnte Bauart, war aber nur eine Übergangslösung, da auch diese den weiter rasant zunehmenden Beanspruchungen nicht gewachsen war. Mit dem Aufkommen des Stahls (Gusseisens) als Baustoff wurden ab etwa 1880 verschiedene Bauformen entwickelt.
Heute werden fast ausschließlich nur Stahlkastenprofile oder Turmförderanlagen in Skelettbauweise erbaut, die der hohen Förderrate standhalten und zudem günstiger im verbauten Material, wartungsärmer und somit effizienter sind. Ältere Strebengerüste werden nur noch zur Materialförderung oder Befahrung eingesetzt, da diese den aktuellen enormen Belastungen und Pendelraten nicht mehr ausreichend gewachsen wären, sich aber eine Erneuerung wirtschaftlich nicht lohnen würde.

Frage: Es gibt wickelnde und treibende Fördermaschinen! Wo ist der Unterschied?

Antwort: Wickelnde Fördermaschinen wie z.B. Trommelfördermaschinen oder Bobinen (mit dralllosen Flachseilen) rollen bzw. wickeln das Seil auf eine Rolle (Trommel) auf und müssen somit bei der Anfahrt aus dem Schachttiefsten sehr hohe Lastkräfte aufnehmen. Zu Anfang (bei geringer Schachtteufe und Nutzlast) war dies ohne Weiteres möglich. Später als die Teufe und somit die Gewichtslasten (Seil + Förderkorb + Förderwagen + Fördergut) stetig stiegen behalf man sich mit der Doppelauslegung (zwei Trommeln wurden verbunden um ein Gewichtsausgleich zu schaffen) sowie auch der Einführung von konischen Trommeln. Dieses Prinzip hatte sich schon vorher bei den Bobinen recht gut bewährt, wenn auch dort die Seildicke und der Wickeldurchmesser genau errechnet werden musste, um einen idealen Gewichtsausgleich zu schaffen.

Mit Erfindung der Koepeförderung (Treibscheibenförderung) wurde aber mehr und mehr auf jenige umgerüstet, da diese das Förderseil nur trieb und bauartbedingt ein Lastausgleich mit der Gegenförderung erfolgte; sowie das stetige Schieflaufen des Seils wie bei der Trommelförderung und somit der hohe Verschleiß der Seile, Seilscheiben und Führungseinrichtungen weitestgehend unterbunden wurde. Bei der Treibscheibenförderung musste rechnerisch nur die Gewichtsdifferenz des Fördergutes (Leer zu Voll) bewegt werden. Der Gewichtsausgleich und die zum einwandfreien Arbeiten des Treibscheibenfutters notwendige Klemmlast wurde mithilfe eines Unterseils gewährleistet. Ein Durchrutschen des Förderseils bei starken Anfahrt- und Bremsvorgängen und das damit verbundene Übertreiben der Körbe konnte aber zu der Anfangszeit nur durch erfahrenes Personal unterbunden werden. Später wurde dies technisch verfeinert und heute werden weltweit für den Förderbetrieb überwiegend nur noch treibende Fördermaschinen eingesetzt.


1.) Koepe (Flurförderung)
2.) Koepe (Turmförderung)
3.) Trommel (Zylindrisch)
4.) Trommel (Konisch)
5.) Bobine (Flachseil)

Frage: Was ist die Hängebank?

Antwort: Als Hängebank bezeichnet man die Ebene auf der bei der Gestellförderung die Förderwagen vom Korb abgezogen werden. Zu den Anfängen war diese auf Bodenniveau (Rasenhängebank); später wurde es notwendig - mit Einführung der Handklaubung und später durch die nachgeschaltete Aufbereitung der Rohförderkohle - die Hängebankhöhe anzuheben um eine gewisse Sturzhöhe zu erhalten. Diese nahm im Laufe der Zeit mit stetig steigender Fördermenge immer weiter zu. Da selbst kurzfristige Störungen in der Aufbereitung entweder zu einem Förderstopp führten oder aber die Förderkohle auf Halde gefahren werden musste, führte man kleinere Stapelbunker ein, die zumindest kurzzeitige Störungen ausgleichen konnten, welche die notwendige Höhe der Hängebank aber auf bis zu 17 Meter ansteigen ließ.
Mit dem Aufkommen von großvolumigen Rohwaschkohlenbunkern (>20.000 t) und der damit langfristigen Entkoppelung (etwa zwei Fördertage) der Förderung von der Aufbereitung, verringerte sich die notwendige Höhe aber in Folge wieder auf etwa 5 bis 10 Meter.

Frage: Wie tief kann man Bergbau betreiben?

Antwort: Die wirtschaftlichen Möglichkeiten enden momentan bei etwa 4000 Meter Teufe (Goldbergbau in Südafrika - im Ruhrgebiet ist schon ab etwa 2000 Meter Schluss).
Dies ist abhängig von der umgebenden Gebirgstemperatur (vgl. geothermische Tiefenstufe = Deutschland je 33 m +1°C, Südafrika je ~90 m +1°C), der Ergiebigkeit und der zu erwartender Ausbeute der Lagerstätte. Überschreitet diese einen bestimmten Richtwert, kann auch tiefer ein wirtschaftlicher Abbau betrieben werden. Dies ist aber nur unter besonderen geologischen Voraussetzungen sinnvoll! Technisch sind Förderbetriebe die weit tiefer als 5000 Meter liegen denkbar, wobei aber der Faktor "Mensch" unberücksichtigt bleibt.
In Südafrika wird in nächster Zeit mit einer wirtschaftlichen Goldförderung aus 4600 Meter gerechnet. In Deutschland wäre dies aufgrund der hohen Gesteinstemperatur trotz bester Technologie einfach nicht möglich.

Frage: Sind verfüllte Schächte eigentlich einsturzgefährdet?

Antwort: Hierzu ist eine allgemeingültige Aussage recht schwierig!
Als sichere Schächte (dauerstandsicher verfüllt) kann man auf jeden Fall die ab den 1960'er Jahren verfüllten zählen. Die Schächte, welche vorher verfüllt wurden, werden aber auch heute noch regelmäßig begangen und kontrolliert. Bei auftretenden Senkungen, die das Normalmaß überschreiten, wird das Areal gesperrt sowie die Ursache sondiert und falls notwendig Gegenmaßnahmen getroffen.
Früher wurden alte Schächte einfach komplett mit Waschbergen oder Hochofenaschen o.ä. verfüllt, da noch kaum Anhaltswerte bezüglich der notwendigen Standsicherheit, des Schüttgut- oder Fließverhaltens, der Abdämmung der Grubenbaue oder den untertägigen hydraulischen Gegebenheiten etc. vorlagen.
Es gibt Aussagen, dass nach der Stilllegung einer Anlage einfach die Förderkörbe abgeschnitten oder auch reihenweise Förderwagen und Grubenloks in den Schacht gefahren worden sein! Danach wurden einfach Berge drauf gekippt und gut war's! Hierbei besteht durch die zu erwartende verminderte Standfestigkeit (Nachgeben des unteren Tragkörpers) oder der Zersetzung oder Auswaschung des Füllmaterials die Gefahr einer Hohlraumbildung und damit des nachfolgenden Versagens der Standsäule. Diese "wilden" Schächte sind aber größtenteils bekannt und stehen unter besonderer Aufsicht. Auch sind diese Areale sowie fragwürdige Bereiche für eine Nachnutzung oder den freien Zugang nicht freigegeben.
Heute werden bei einer Verfüllung die Bereiche der Einzel- oder Teilsohlen erst abgedämmt und nachfolgend mit Kies verfüllt um ein ungewolltes Fließen des Schüttgutes in die Strecken zu vermeiden. Als Füllgut für den restlichen Schachtkörper werden entweder geeignete Waschberge oder ein dafür besonderes zweckmäßiges Füllgut verwendet. Auf diese kommt dann nach ausreichender Selbstverdichtung und nachfolgender Auffüllung ein bis zu 20 m - oder mehr - mächtiger Betonpfropfen der durch eine oder mehrere Einbühnungen (Trag- bzw. Fangbühne) diesen vor dem Durchsacken sichert. Bei einigen Schächten wird heute aber aus Kostengründen auf die Verfüllung komplett verzichtet, diese bekommen nur einen Betonpfropfen, da diese als dauerstandsicher gelten und einer permanenten Überwachung (durch Videobefahrung) unterliegen. Alle neu verfüllten Schächte, bei denen es zu einer CH4- (Methan) Ausgasung kommen kann, werden mit einer Rohrleitung mit Protegohaube (die je nach Ausgasungsintensität mit einem Blockkraftwerk verbunden ist) ausgestattet.

Zur Standsicherheit: Es gibt sie zwar nicht oft, aber dennoch möchte ich einen Schacht erwähnen auf dem man heute offiziell mit dem Auto oder auch einem LKW rumkurven kann:
Jeder der schon einmal in Bochum - über die A40 von Dortmund kommend - die Ausfahrt zur Star Tankstelle an der Darpestrasse genommen hat, der ist genau über den verfüllten Schacht von Carolinenglück I gefahren. Der 511 Meter tiefe Schacht liegt genau unter einem der Schachtdeckel der Ausfahrt zur Tankstelle.

Frage: Wie tief ist (war) der tiefste Schacht im Ruhrgebiet?

Antwort: Der tiefste befahrbare Tagesschacht im Ruhrgebiet war Grimberg III mit 1.638,70 Meter. Dieser wurde 1994 kohärent verfüllt. Es gibt aber Blindschächte (Unterwerksbau), die noch tiefer sind, aber nicht bis über Tage reichen!

Frage: Wo ist er Unterschied zwischen Seilführung und Spurlattenführung bei der Schachtförderung zu sehen und wozu ist eine Zwangsführung notwendig?

Antwort: Die Zwangsführung unterbindet das freie Schwingen der Förderkörbe im Schacht. Hierbei kann es durch das Berühren von Auf- und Niedergehenden Förderkörben im Schacht zu einer erheblichen Beschädigung der Körbe und Schachteinbauten, sowie im schlimmsten Fall zu einem Seilriß kommen.
Bei der Seilführung werden mehrere Stahlseile - welche jeweils am Führungsgerüst und an einem Spannrahmen am Schachttiefsten befestigt sind - in den Schacht geführt. An diesen werden die Förderkörbe zwangsgeführt. Diese Bauart hat sich im Ruhrgebiet wegen der hier oftmals vorkommenden Schachtverschiebungen (Knickung, Bauchung etc. der Schachtsäule) und der großen Teufen nie wirklich durchsetzten können. Die Seilführung hat aber ungeachtet dieser Nachteile in anderen Bergbauregionen eine enorme Verbreitung erfahren, da diese sehr Wartungsarm und Wartungsfreundlich ist, sowie eine Unterbrechung der Spurlatten an den Füllortern nicht notwendig war.
Bei der Spurlattenführung werden vertikale Spurlatten an den Schachteinstichen angebracht. Diese sind zumeist aus Spezialhölzern (z.B. Eisenholz) oder bei trockenen Schächten aus Stahlprofilen und dienen dem Förderkorb als Führungseinrichtung. Als Führung des Förderkorbes werden Rollenböcke eingesetzt, die ein Ausspuren aus den Führungsschienen verhindern. Die Spurlattenführung hat einen deutlich spürbaren härteren Lauf, da jeder Übergang einer Spurlatte auf eine andere meist deutlich spürbar ist (ähnlich ungeschweißter Bahnschienenstöße). Vorteilhaft wirkt sich aber der geringere Platzbedarf und die Montagemöglichkeit aus, welche leicht von der Vertikalen abweichen kann und somit eine Bauchung der Schachtsäule ausgleichen kann.

Frage: Warum gibt es unterschiedliche Seilfahrt- geschwindigkeiten bei der Material- und Personenbeförderung?

Antwort: Die Personenförderung wird mit 9 m/s (etwa 32 km/h) durchgeführt um eine möglichst geringe Belastung der Ein-/Ausfahrer bei der Seilfahrt zu erhalten. Die Materialförderung erreicht dagegen schon 12 bis 20 m/s, dies ist für den menschlichen Körper zwar auch ohne Weiteres zu verkraften, aber die Abbremsung erfolgt hierbei etwas ruppig und es kann dadurch zu einer Verschiebung oder gar zum Lösen des Materials im Korb kommen. Daher ist eine gleichzeitige Personen- und Materialförderung nur mit 9 m/s erlaubt. Bei unerlaubter Mitfahrt bei der Materialförderung sind leider schon so einige böse Unfälle durch sich lösende Güter geschehen ...

Frage: Was passiert wenn der Förderkorb über die eigentliche Endstellung (Hängebank) getrieben wird?

Antwort: Hierfür sind elektronische Überwachungseinrichtungen eingebaut, welche die Fördermaschine sofort bremsen sollen. Als weitere mechanische Sicherheitseinrichtung werden; sich verdickende Spurlatten eingebaut. Diese bremsen den Förderkorb durch die Pressung der Führungsrollen des Korbes ab. Als letzten konstruktiven Anschlag sind Prellträger eingebaut, um den Förderkorb nicht in die Seilscheiben laufen zu lassen. Im ungünstigsten Fall bremsen diese den Förderkorb gewollt so abrupt ab, dass das Förderseil (Seilbruchlast) reißt (zuletzt 2001 auf Lohberg Schacht II südl. Förderung geschehen). Der nun freie Korb wird durch die Fangklinken (Fangstützen) der Fangstützenträger vor dem Herunterfallen in den Schacht bewahrt. Der Gegenkorb fällt dann auch kurzzeitig, wird aber durch eine technische Fangeinrichtung, welche bei Seilbruch auslöst abgefangen. Dieser GAU wird auch immer in der konstruktiven Bemessung der Fördergerüste einbezogen, da es gerade in den frühen Jahren des Öfteren zum besagten Schadensfall kam und einige Gerüste diesem nicht standhielten (Teil- oder sogar Totalversagen)!

Frage: Was wird eigentlich vor einer Stilllegung eines Bergwerks alles aus der Grube geholt? Bleiben die Maschinen, Ausbaue, Rohrleitungen, Kabel etc. untertage? Und was passiert in Folge mit dem Grubengebäude?

Antwort: Meist werden nur die wirklich teuren Maschinen, welche entweder verkauft oder auf anderen Anlagen weitergenutzt werden können, geraubt (d.h. nach über Tage gebracht). Alles andere verbleibt unter Tage, da eine Zerlegung und Transport sich wirtschaftlich nicht lohnen würde!
Stillgelegte Gruben, die nicht an eine zentrale Wasserhaltung angeschlossen oder komplett abgedämmt wurden, werden je nach der Menge des zulaufenden Grubenwassers in wenigen Wochen oder Jahren geflutet. Die abgekohlten Hohlräume (alter Mann) brechen zumeist kurz nach dem Durchgang des Abbaus nach, grob geht man davon aus, dass sich diese innerhalb eines Jahres selbstständig durch Nachbruch verfüllt haben. Die Strecken werden aber noch Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte oder noch länger frei bleiben und erst bei dem Verlust der Tragfähigkeit der Ausbaue (durch Rostung oder Gebirgsdruck) irgendwann eingedrückt werden. Diese freien Volumen sind aber so gering, dass davon über Tage kaum etwas zu spüren sein wird. Genaue Erkenntnisse liegen speziell im Tiefbau dazu aber nur lückenhaft vor. Ich schätze die freie Länge der ausgebauten Strecken (ohne Schächte) im Ruhrgebiet auf mehr als 4000 km ein.
Übrigens werden auch die Mäuse und das übrige Getier (Heimchen etc.) einfach sich selbst überlassen. Trotz einiger Anekdoten hierzu (Auflegen von kleinen Brücken zum Korb, um zumindest den Mäusen eine Flucht zu ermöglichen) nehmen diese jenes Hilfsangebot naturgemäß nicht an und bleiben lieber unter Tage und damit sich selbst überlassen.

Frage: Ist oder war es mal möglich das Ruhrgebiet von Duisburg nach Dortmund untertage zu unterqueren?

Antwort: Hierzu ein klares aber deutliches JEIN!
Im Film "Jede Menge Kohle" von 1981 läuft beispielsweise der Bergmann Katlewski (gespielt von Detlev Quandt) in gut einer Woche untertage von seiner Heimatzeche in Recklinghausen zu einem Bergwerk nach Dortmund (grob etwa 20 km Luftlinie).
Dies war zwar dank der damaligen Verbundanlagen und Wetterverbünde auf dieser Strecke möglich, eine Unterquerung des gesamten Ruhrgebiets (DU bis DO) war aber zu keinem Zeitpunkt praktisch möglich!
Hier aber der Casus Knaxus: Theoretisch war dies aber, wenn man alle Stilllegungen einmal außen vorläßt und enorme Umwege in Kauf nehmen würde, einmal möglich. Die Grubengebäude waren auf ganzer Länge irgendwann einmal verbunden, allerdings aber durch Stilllegungen und den damit verbundenen Abdämmungen und Flutungen zu keinem Zeitpunkt komplett durchgängig... Man braucht nur die Grubenrisse aller Gruben zusammenlegen... Ein Weg würde sich theoretisch dann schon finden lassen...!

Frage: Wurde im Ruhrgebiet eigentlich nur Kohle gefördert?

Antwort: Nein, es wurden auch recht umfangreiche Grubenfelder zur Ausbeutung von Brauneisenstein, Raseneisenstein oder Sole etc. vergeben. Diese wurden aber nur zu den beginnenden Bergbauzeiten abgebaut, als es im Ruhrgebiet noch eine Nachfrage gab. Später sind diese aber nur in geringem Umfang ausgebeutet worden, da es speziell bei Eisenstein zur Verhüttung kaum einen Engpass gab. Nur in Krisenzeiten wurde auf die kostenintensive Gewinnung von Magererzen zurückgegriffen, um sich bei Engpässen von den Zulieferern unabhängig zu machen oder den Bedarf zu decken. Die Solevorkommen wurden bis in die Neuzeit nach Möglichkeit rege genutzt, diese hatten aber oft mit der Verlagerung infolge von Bergsenkungen durch den Kohlebergbau zu kämpfen. Das Ruhrgebiet zählt (das Erzgebirge einmal ausgenommen) zu den geologisch am besten erkundeten Regionen in Deutschland, ist aber aufgrund der geologischen Entstehungsgeschichte leider kaum mit anderen Wertstoffen gesegnet. Dennoch wird der gesamte noch anstehende Kohlevorrat im Ruhrgebiet mit 85 Mrd. Tonnen angenommen, welcher allerdings nur teilweise als wirtschaftlich abbauwürdig gilt. Dies sind aber immerhin noch etwa 50.000.000.000 Tonnen Steinkohle, welche ungenutzt in der Erde schlummern.

Frage: Wird es im Ruhrgebiet irgendwann nach dem angestrebten Ausstieg 2018 noch einmal Steinkohlenbergbau geben?

Antwort: Ein Eindeutiges JA! Keine Industrienation kann sich eine solche Verschwendung leisten! Einige Nachbarstaaten (Holland, Belgien und Frankreich) denken auch seit einiger Zeit über die erneute Aufnahme der Steinkohlenförderung nach! Dort scheitert es aber momentan noch an den hohen Wiedererschließungskosten der planlos stillgelegten Altanlagen. Dort wurde (wie in Deutschland übrigens auch) über die Option einer Reaktivierung erst gar nicht nachgedacht und alles final beendet. Die Möglichkeit einer Konservierung von Förderstandorten (Schächten) wurde vor der Stilllegung nie erwogen!
Sollten also die Energiepreise weiterhin drastisch steigen, sowie die Verfügbarkeit abnehmen und die umweltfreundlichen Energieträger in Zukunft nicht das leisten können was sie vermeintlich versprechen, wird es zur Energiesicherung einige drastische Überlegungen geben müssen! Die aktuelle Atomdiskussion facht dieses Thema zudem noch weiter an. Der Weiterentwicklung von regenerativen Energien ist ja nicht nur technologisch und finanziell einfach eine Grenze gesetzt. Auch wird es in einem Rechtsstaat immer Personen geben, die sich durch den Bau von Energieerzeugungsanlagen (egal wie nachhaltig diese sind) in ihrem Recht eingeengt sehen. Dies ist aber durchaus legitim, wer möchte schon einen Windpark im Garten haben?
Der erforderliche Bedarf an Energie ist weiterhin auf dem aufsteigenden Ast... Sobald die zur Verstromung eingesetzte Importkohle (denn ohne den Einsatz von Kohle geht es einfach noch nicht) teurer wird, wird es über kurz oder lang sicherlich einen erneuten Bergbau im Ruhrgebiet geben, dieser wird sich aber nicht nur technologisch deutlich von dem heutigen unterscheiden!

Frage: Wie werden die einzelnen Bauteilgruppen von Fördergerüsten benannt?

Antwort: Als Erstes gibt es das Traggerüst (auch Stützgerüst oder Führungsgerüst genannt) welches den Hauptanteil der Seillast trägt. Dies ist vertikal direkt über dem Schacht platziert.
Dann gibt es die Streben, welche die horizontal wirkenden Kräfte aufnehmen und diese direkt von dem Kopfgerüst in die Stützfundamente ableiten.
Das auf dem Traggerüst aufgelagerte Kopfgerüst besteht aus der Seilscheibenbühne mit den für die Umlenkung der Zugkräfte notwendigen Seilscheiben und deren Lagern.
Weiter oberhalb sind bei älteren Gerüsten die Krangerüste bzw. Kranbühnen ausgelegt worden, welche früher zum Wechsel der Seilscheiben, oder aber auch als Stützgerüst für die notwenige Dachabdeckung dienten. Diese sind aber zumeist entfernt worden. Desweiteren sind je nach Gerüstart umlaufende Treppen an dem Führungsgerüst angebracht um eine Kontrolle der Seilscheiben zu ermöglichen.

Frage: Kann ein stillgelegtes Bergwerk zu anderen Zwecken genutzt werden?

Antwort: Speziell im Ruhrgebiet wird seit längerem nach einer wirtschaftlichen Umfunktionierung der untertägigen Bergbauanlagen gesucht. Es wurde auf einigen Zechen die Möglichkeit einer Endlagerung von Reststoffen (unbedenklicher Müll) erprobt und zum Teil auch in größerem Ausmaß durchgeführt. Dies wurde aber aufgrund der hohen Kosten und des geringen Einlagerungsvolumens eingestellt. Die Einlagerung von umweltgefährdenden Stoffen wurde aber wegen der vorherrschenden Geologie generell nie erwogen. Dies gilt auch für den Einsatz als CO-Endlager oder Gasspeicher.
Wirtschaftlich gewinnbringend wird zurzeit nur die Verwertung von Grubengasen betrieben! Es gibt zudem die Überlegung zumindest ein Bergwerk als Versuchsbetrieb offen zu halten, um den Maschinenbauern einen Probebetrieb unter Realbedingungen zu ermöglichen, sowie dieses als Lehr- und Forschungsbetrieb für Bergingenieure zu nutzen.
Ein weiterer Ansatz besteht in der energetischen Nutzung der Geothermie, welcher heute schon über das Probestadium hinaus fortgeschritten ist. Die zu erwartende Ausbeute ist aber gegenüber anderer Standorte (z.B. Eifel) deutlich geringer und weniger lohnenswert. Allerdings bietet die unmittelbare Nähe zu der dichten Wohnbebauung eine gute Option ein solches Projekt zumindest im Probebetrieb zu nutzen.
Eine Nutzung von Grubengebäuden als Bergbaumuseum wurde schon für die Zeche Zollverein geprüft, aber auf Grund der hohen Sicherheitsstandards und der damit verbundenen Kosten wieder verworfen. Frühere Nutzungsvorschläge wie z.B. als Freifallschacht (Concordia VI) oder als Testschacht für einen Fahrstuhlhersteller wurden nicht weiter verfolgt oder verliefen im Sand.
Seit 2009 gibt es auch Überlegungen stillgelegte Grubengebäude als Pumpspeicherkraftwerk (Unterflur-PSW) zu nutzen. Diese Überlegung hat aber zumeist mit dem geringen freies Volumen der Grubenbaue zu kämpfen. Desweiteren ist ein Dichtigkeitsabschluß der Grubengebäude von Speicher- (Stau)sohle zu Fördersohle - durch den vorherigen Abbaubetrieb und der folgenden Gebirgssetzung - bei einer rein untertägigen Lösung kaum oder aber nur unter Aufwendung beträchtlicher finanzieller Mittel sicher herzustellen. Eine Übertage-Untertage Lösung (übertägiges Staubecken sowie ein untertägiges Reservoir) ist da sicherlich sinnvoller, wenn auch landschaftlich nicht unbedingt attraktiv (Tagsüber würde das Staubecken ja geleert). Auch wäre eine Wartung und Instandsetzung der mechanischen Teile extrem kostenintensiv, da sich diese schließlich immer noch unter Bergaufsicht und einige hundert Meter untertage befinden würden. Auch wäre bei diesen Betrieben eine energetische Nutzung von Grubengasen kaum mehr möglich. Und einiges Mehr...
Es würde mich aber interessieren was da noch so geplant ist, da der Teilbereich der Abdichtungstechnik im Wasserbau mein Tagesgeschäft ist...

Anmerkung des Verfassers:
Auf der Zeche Oberhausen wurde übrigens in den 1930er Jahren ein Besucherbergwerk mit untertägigem Kino eingerichtet, welches nach Zeitzeugenaussagen wirklich beeindruckend gewesen sein soll, aber leider 1960 in den Zeiten der Kohlekrise und des schwindenden Interesses am Steinkohlebergbau aufgegeben wurde. Leider geschlossen, aber so hätte ich es mir gewünscht. Ein Bergwerk in Orginalzustand.
Aber dies waren andere Zeiten, als bei dem Besuch eines Bergwerks noch von einem "denkenden" Besucher ausgegangen wurde. Das dies auch eventuell mal etwas dreckiger sein könnte war damals selbstverständlich und wurde ohne Wenn oder Aber hingenommen. Nicht wie heute, wo anscheinend der moderne Besucher davon ausgeht eine sterile und saubere Arbeitswelt ohne Ecken und Kanten, gut ausgeleuchtet und klimatisiert sowie mit einer Speiselounge, Kinderkrippe und Parkplatz um's Eck vorgesetzt zu bekommen...
Ist schon perfide was z.B aus Zollverein gemacht wurde (das Nordstern Monstrum von "Herkules" lasse ich hier besser unkommentiert), nur um diese wirklich einmalige Anlage versicherungstechnisch und besucherwirksam zu vermarkten. Für mich persönlich ist es schon peinlich, wie eine solche Anlage konsequent, kompett und mit Vorsatz ihres alten Charmes und der Patina beraubt wurde. Jetzt ist dies ist nur noch ein Disneyland mit industriellem Hintergrund und ein Vorzeigeobjekt wie man es nicht machen sollte...

Frage: Kann ein Bergwerk nach der Stilllegung später erneut Kohle fördern?

Antwort: Dies ist abhängig von der Art der Stilllegung! Wird auf einem Bergwerk nur die eigentliche Förderung ausgesetzt (sogn. Stillstandbereiche), dieses aber weiterhin als z.B. Wetterschacht für ein bestehendes Bergwerk genutzt, so ist es zumindest theoretisch problemlos möglich erneut die Förderung wieder aufzunehmen. Auf Bergwerken die aber komplett geschlossen wurden, ist dies kaum mehr möglich. Dort sind die Schächte verfüllt und die Grubengebäude zumeist unwiederbringlich abgesoffen. Eine Wiederinbetriebnahme wäre zwar theoretisch auch dort möglich, diese würde aber die Kosten einer Neuanlage deutlich übersteigen...

Frage: Ist der Ruhrbergbau bezüglich der Energiesicherheit in Deutschland notwendig?

Antwort: Ein Klares und Deutliches NEIN! Sogar der gesamte Steinkohlenbergbau in der BRD (Ruhrgebiet, Saar und Ibbenbüren) kann bei heutiger Förderung - oder auch bei einer Erhöhung auf eine maximale Förderung - kaum einen Bruchteil der benötigten Steinkohle fördern. Ob die deutschen Zechen nun fördern oder auch nicht, ist hierbei allerdings nur nebensächlich von Bedeutung. An erster Stelle steht der sozialverträgliche Abbau von Arbeitsplätzen (ca. 30.000 im Kerngewerbe und etwa die zweifache Anzahl in der Zulieferindustrie) bis zum angestrebten Vollaustieg im Jahr 2018. Davon werden also etwa 100.000 Beschäftigte betroffen sein! Heute ist dies bundesweit sicherlich kein großes Ding! Bei 3 Mio. Arbeitssuchenden (sowie der von der Arbeitsagentur statistisch weggelobten Harz IV Empfänger) - aber in den wirtschaftlich gebeutelten ehemaligen Bergbauregionen ist dies immer noch sehr brisant!
Eine Gretchenfrage stellt sich allerdings: Soll der Bergbau in bescheidenem Maße weitergehen? Oder machen wir den Rest einfach auch noch platt und schauen Mal was die Zukunft so bringt? Ein Minimalbetrieb wäre rein volkswirtschaftlich bei einer weiteren Ausdünnung der Belegschaft nur sinnvoll, wenn es zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Reanimation kommen würde! Aber wer will schon sagen, wann dies geschehen könnte?
Ich bin mal gespannt welche eloquente Vorschläge seitens der weitsehenden Politiker und Energieexperten erfolgen werden?

Frage: Wieso interessiert sich eigentlich noch jemand für Förderanlagen einer Alt-Industrie?

Antwort: Eine umfassende und allgemeingültige Aussage ist leider unmöglich... Ich könnte jetzt gegen andere mir persönlich vollkommen abstruse Hobbys wettern, aber dies ginge ja am Punkt der Frage vorbei! Mich persönlich interessiert die Entwicklung der Technik und die damit einhergehenden Gründe warum es zu diesen kam. Speziell an den Bauarten der Fördergerüste - welche ja eminent wichtig für ein Bergwerk waren oder sind - kann man auch heute noch weitsichtige Innovationen oder aber Fehlschläge nachvollziehen. Eine unausgegorene Konstruktion oder eine Weiterentwicklung der technischen Anlagen führte fast sofort zur Ersetzung oder aber zur Weiterentwicklung einer Förderanlage.
Der Leitsatz: "Prüfe alles, behalte das Beste!" hat sich mir hierbei besonders eingeprägt.
Kurz gesagt: Die Dinger sind sicherlich nicht für jeden schön anzusehen, aber diese hatten einmal eine Funktion, welche sich aber erst nach näherer Betrachtung und ein wenig Recherche erschließt. Für die meisten Menschen ist es aber leider weiterhin sinnloser Industrieschrott aus längst vergangenen Tagen...

Fragen mit bergbaulicher Relevanz:

Frage: Ich beabsichtige ein Grundstück auf einem ehemaligen Zechengelände zu kaufen. Was sollte ich beachten?

Antwort: Diejenigen Häuslebauer, die auf einem vormals durch den Bergbau genutzten Areal oder in der unmittelbaren Nähe dazu bauen möchten, sollten dem Verkäufer zumindest diese fünf Fragen stellen:

1.) War hier außer den normalen Bergbauanlagen eine Kokerei- oder Nebenproduktionsanlagen in Betrieb?
2.) Wurde der (die) Schachtsicherheitspfeiler abgebaut oder ist mit anderen Bergschäden zu rechnen?
3.) Ist oder war das Baugrundstücke (oder angrenzende) schadstofflich auffällig oder sind Belastungen zu erwarten? Gibt es ein Umweltgutachten? Wie wurde saniert?
4.) Ist, wurde oder wird ein Abbau im Bereich der Gemarkung (40° Einfallen vom Tiefsten) durchgeführt? Und wenn - Wann?
5.) Muß ich beim Kauf eine Verzichtserklärung für Berg- oder Folgeschäden unterzeichnen?

Sollte der Verkäufer auch nur eine dieser Fragen mit "Ja" beantworten, oder gar seine Unwissenheit erklären, so ist hierbei Vorsicht geboten! Kontaktieren Sie in diesem Fall vor einem Kauf unbedingt einen unabhängigen Experten der Ihnen das "Für und Wider" und die Rechtsgrundlagen eindeutig und verständlich erläutern kann!

Dies alles kann aber nur als ein grober Leitfaden angesehen werden! Eine Pauschalaussage ist nicht möglich und im Zweifelsfall oder bei Bedenken sollte man unbedingt einen Gutachter hinzuziehen! Der überwiegende Teil der Baugrundstücke ist ja aufgrund der zumeist idealen Lage doch recht teuer! Wer möchte da schon sein hart erarbeitetes Geld in eine Immobilie investieren und beim Brunnenbau auf eine Altölblase stoßen, mit schiefen Wänden leben oder im Sommer einen permanenten Benzolgeruch in der Nase haben? Dies alles kommt zugegebenermaßen sehr selten vor, ist aber leider schon passiert!